Reizdarmsyndrom (IBS)
Das Reizdarmsyndrom ist eine der häufigsten Magen-Darm-Erkrankungen. Obwohl keine organische Ursache vorliegt, sind die Beschwerden real und belasten die Lebensqualität. Mit dem richtigen Ansatz lassen sich die Symptome gut kontrollieren.
Von Dr. med. Jochen Henn ·
Auf einen Blick
Häufigkeit:
10-15% der Bevölkerung, Frauen 2x häufiger
Diagnose:
Ausschlussdiagnose (keine organische Ursache)
Typen:
Durchfall-Typ, Verstopfung-Typ, Misch-Typ
Prognose:
Chronisch, aber gut kontrollierbar
Was ist das Reizdarmsyndrom?
Das Reizdarmsyndrom (IBS) ist eine funktionelle Störung des Darms. "Funktionell" bedeutet: Der Darm arbeitet nicht optimal, obwohl keine strukturellen Veränderungen oder Erkrankungen nachweisbar sind.
Die Ursachen sind komplex und betreffen die Darm-Hirn-Achse: Eine veränderte Schmerzwahrnehmung, gestörte Darmbewegung, Veränderungen im Mikrobiom und psychische Faktoren spielen zusammen.
Symptome
Typische Beschwerden:
- • Bauchschmerzen oder -krämpfe (bessern sich oft nach Stuhlgang)
- • Blähungen und Völlegefühl
- • Durchfall, Verstopfung oder beides im Wechsel
- • Gefühl der unvollständigen Entleerung
- • Schleimbeimengungen im Stuhl
- • Symptome verschlimmern sich durch Stress oder bestimmte Nahrungsmittel
Ursachen und Trigger
Mögliche Ursachen
- • Veränderte Darm-Hirn-Kommunikation
- • Erhöhte Schmerzempfindlichkeit des Darms
- • Gestörtes Darmmikrobiom (Dysbiose)
- • Nach Magen-Darm-Infekten
- • Genetische Faktoren
Häufige Trigger
- Stress und Ängste
- Bestimmte Nahrungsmittel (FODMAPs)
- • Koffein, Alkohol
- • Fettreiche Mahlzeiten
- • Unregelmäßige Mahlzeiten
- • Schlafmangel
Diagnose
Das Reizdarmsyndrom ist eine Ausschlussdiagnose. Zunächst müssen andere Erkrankungen ausgeschlossen werden:
- Anamnese und körperliche Untersuchung
- Laboruntersuchung: Blutbild, Entzündungswerte, Zöliakie-Antikörper
- Stuhluntersuchung: Calprotectin (Entzündungsmarker), Parasiten
- Ultraschall des Bauches
- Bei Warnsignalen: Darmspiegelung
Warnsignale – sofortige Abklärung:
- • Blut im Stuhl
- • Ungewollter Gewichtsverlust
- • Fieber
- • Symptombeginn nach dem 50. Lebensjahr
- • Darmkrebs in der Familie
- • Nächtliche Symptome (wecken aus dem Schlaf)
Behandlung
1. Ernährung
- • Low-FODMAP-Diät: Reduzierung fermentierbarer Kohlenhydrate – sehr wirksam bei 70% der Patienten
- • Ballaststoffe: Lösliche Ballaststoffe (Flohsamenschalen) können helfen
- • Trigger identifizieren: Ernährungstagebuch führen
- • Regelmäßige Mahlzeiten, langsam essen
2. Probiotika & Darmflora
- • Bestimmte Probiotika-Stämme können Symptome lindern
- • Aufbau eines gesunden Mikrobioms
- • Individuelle Austestung sinnvoll
3. Stressmanagement
- • Entspannungstechniken: Yoga, Progressive Muskelentspannung
- • Hypnotherapie: Gut belegt bei Reizdarm (Darm-Hypnose)
- • Kognitive Verhaltenstherapie
- • Ausreichend Schlaf und Bewegung
4. Medikamente (symptombezogen)
- • Bei Krämpfen: Krampflösende Mittel (Butylscopolamin)
- • Bei Durchfall: Loperamid bei Bedarf
- • Bei Verstopfung: Osmotische Laxanzien
- • Bei starker Belastung: Niedrig dosierte Antidepressiva
Häufig gestellte Fragen
Darmbeschwerden abklären
Anhaltende Beschwerden sollten abgeklärt werden. Wir helfen Ihnen, die richtige Diagnose und Therapie zu finden.
Über den Autor
Dr. med. Jochen Henn, Facharzt für Innere Medizin, Praxisinhaber. Seit 2001 Schwerpunkt Longevity- und Präventionsmedizin.
Medizinisch geprüft von Dr. med. Jochen Henn · Stand: Juli 2026